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2009 begann kriechend, auf dem Rücken die schwere Last der Wirtschaftskrise, in den Knochen die Kälte der letzten Nacht, die man bis in den frühen Morgen viel zu häufig draußen verbracht hatte, den Alkohol noch im Blut und im Resthirn spürend, mit nach Fusel stinkendem Atem. Der Weg zum Spiegel war, Gott sei es gedankt, beschwerlich und blutig, der Boden übersät von den Splittern des letzten Jahres, das so manche Existenz auf dem Gewissen hatte, und auf halber Strecke blieb man liegen, die Hände ramponiert und in Fetzen, gab es auf, sein armseliges Gesicht betrachten zu wollen. Alles blieb, wie es war, das wurde auch der allerletzten Frohnatur klar, bestenfalls die Augenringe wurden dunkler und größer. Geld hatte keiner mehr und Feuerwerkskörper konnten sich nur noch ein paar wenige reiche Topmanager und Könige Europas leisten, der Rest der Menschheit sammelte sich in den frostigen Straßen und war froh, sich das Spektakel wenigstens ansehen zu dürfen, oder nahm einen horrenden Kredit bei der nächstbesten Bank auf, um sich die eine oder andere Knallerbse zu gönnen. Denjenigen, denen das Schicksal wohl gesinnt war, fanden noch einige Reste gegorenen Apfel- oder Traubensafts im Kühlschrank und wachten am nächsten Tag mit einem gehörigen Brummschädel im Treppenhaus auf. So musste man beim Aufwachen zumindest seine(n) heruntergekommene(n) Alte(n) nicht neben einem sehen, so dass das neue Jahr kein gänzlicher Schuss in den Ofen war.
Am gewöhnlichsten begann das neue Jahr für die studentische Elite, oder was man als solche bezeichnet, es war ein Tag wie jeder andere: Mit einem kleinen Jucken tief im Hinterkopf aufgewacht, eine altkluge Stimme wispert leise aus dem Off, dass man das eigentlich einen „Kater“ nennt, ins Bett gefallen, als die Sonne auf- und den ersten Kaffee gekocht, als die Sonne gerade untergegangen ist, und mal wieder nicht in der Uni gewesen. Auf der Suche nach einer Zigarette, nur eine leere Packung, Mantel angezogen und raus auf die Straße, vorbei an den baumelnden Firmenmoguln, die an seidenen Fäden an den kahlen Ästen der Bäume hängen, dann der Schock: Rewe hat zu, bei Penny dasselbe, auch bei Plus brennt kein Licht. Ist etwa schon wieder Sonntag?
Darauf noch ein Glas.
Das Jahr 2009 fing also genauso jämmerlich an, wie das Jahr 2008 aufgehört hatte, alles scheiße, die Krise hatte uns tief in ihren Krallen und der Kapitalismus schickte sich an, seinem Bruder Kommunismus in die Ewigen Jagdgründe zu folgen, aber mangels irgendwelcher Alternativen machte man weiter wie bisher. Wenn schon Krise, dann schon richtig – die Jahrhundertkrise, mindestens. Die Regierung steckte noch ein paar Milliarden an Steuergeldern in längst untergegangene Schiffe, bevor ein Teil von ihr mit auf dem Meeresboden sank. Dafür übernahmen dann die Liberalen das Ruder und drehten es ein paar Mal lustig um die eigene Achse. Aber ein entscheidungsunwilliger Kapitän und ein bockender Esel mit Jeckenhut als erster Offizier sind nicht die optimale Besetzung, das große Politikkreuzfahrtschiff in den sicheren Hafen zu bringen und man darf sich sicher glücklich schätzen, wenn das Schiff nicht jeden erdenklichen Eisberg rammt.
Während die Welt versuchte, 2009 alles noch ein bisschen mehr vor die Wand zu fahren als 2008 schon, legte ich mich in den ersten Tagen des neuen Jahres zurück in mein Bett, schaute an die Decke und überlegte, was ich mit dem ganzen Schutt draußen vor meinem Fenster anfangen konnte. Lange würde das ja nicht mehr gehen, mit Glück erlebte man noch vier, fünf Jahre, bis auch der letzte Stützbalken zusammenbrach. Reich müsste man sein und dann in vier, fünf Jahren, wenn dann alles vorüber war, mit einer Rakete und ein paar anderen ins Weltall fliegen und eine neue Zivilisation gründen. Eigentlich, dachte ich, als ich so dalag und an die Decke starrte, konnte ich mich glücklich schätzen, ich hatte neun Jahre länger gelebt, als gedacht, schließlich sollte es 2000 schon so weit sein. 2006 war dann die nächste, nicht eingetretene Apokalypse. Für den endgültigen Untergang wollte ich gerüstet sein. Ich könnte endlich meinen ersten Roman schreiben, das würde mir Kohle einbringen und ich könnte die quälenden vier bis fünf Jahre, die mir noch bevorstanden, bequem totschlagen. Voller Eifer schrieb ich die ersten Seiten runter.
Im Mai war es dann soweit: ich plante mein Zweitwerk, das ganz anders werden sollte, als mein erstes Buch, das ich so gut wie fertig hatte – zumindest in meinem Kopf. Macht ja nichts, dachte ich mir, und schaute auf die zwanzig Seiten, die ich schon hatte, der Rest schreibt sich locker runter. Der Sommer kam und die Semesterferien verbrachte ich mit Arbeiten und Schlafen. Nebenbei dachte ich über funkelnagelneue Ideen nach, ein drittes oder viertes Buch schreiben, das wäre schon ziemlich gut. Immerhin hatte ich jetzt schon dreißig Seiten meines Romans fertig – ich war kurz vor dem Endspurt.
Ich ließ der Welt ihre Untergangsstimmung, für mich lief es blendend, der Erfolg zum Greifen nah. Als das neue Semester begann, konnte ich mich vor Ideen nicht mehr retten. Ich nahm mir eine kleine Auszeit, kümmerte mich um mein Studium und recherchierte in fremden, warmen Ländern.
Jetzt, nachdem 2009 in den letzten Zügen liegt, habe ich meine ganzen Unterlagen wieder herausgekramt und ein Resümee gezogen: 2010 wird das perfekte Jahr für mich. Vielleicht auch für euch.
Ich wünsche euch ein frohes, neues Jahr.
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Endlich wieder feinstes Knochenbrecherwetter. Mit unmöglich gewinkelten Beinen rutscht man von Geschäft zu Geschäft durch die weißen Straßen. Aber wir fordern: Mehr Schnee, noch viel mehr! Meterhoch! Und für alle, die sich kein schönes Weihnachtsfest leisten können: Eine richtig fette Weihnachtsgans (Roland Koch) von unserer Jubel-Kanzlerin, aber bitte schön durchgebraten. Das wäre mal ein tolles Geschenk.
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Falls es irgendjemand immer noch nicht mitbekommen haben sollte, heute ist der Geburtstag von Internetfürst und -guru Staddi, 24 Jahre bereichert er unser Leben nun mit gewagten Theorien zur Weltgeschichte und hält diesen verdammten Planeten zusammen (wenn irgendwas nicht funktioniert, oder dir jemand eine 2 für ein z vormachen will, Anruf genügt!). Wer ihm also noch nicht gratuliert hat, straft sich mit ein paar knackigen Peitschenhieben auf den Rücken und holt das schnellstmöglich nach, z.B. auf seinem Blog. Wer wissen möchte, was es mit Staddi auf sich hat, findet hier die ungeschminkte Wahrheit: Drei, zwei, eins!
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Saß gestern wieder in meiner Kunstvorlesung – es ging gerade um Ruinen, als sich ein der älteren Gasthörer meldete: “Heute Abend im IHH ist um 18:30 Uhr ein Vortrag über den Bombenangriff auf Hildesheim damals, den die meisten hier noch miterlebt haben werden.”
Schon seltsam, wenn man sich umschaut und feststellt, dass er Recht hat.
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… oder: Studenten vs. Drachen alte Menschen im Hildesheimer Busverkehr. Heute mal wieder mitbekommen:
„Also, das geht nun ja aber nicht. Ich will doch nächste Station aussteigen.“
„Könnten Sie vielleicht noch ein wenig reinrücken …?“
„Nein, kann ich nicht, hier ist alles voll.“
„Da ist doch noch Platz, zwei, drei Schritte können Sie doch noch rücken, damit die anderen auch noch in den Bus passen.“
„Aber trotzdem! Ich will ja nächste Station aussteigen.“
„Dann machen wir Ihnen natürlich Platz und lassen Sie raus …“
„Aber trotzdem!“
„… nur damit die anderen, die mitfahren wollen, auch noch reinpassen.“
„Aber trotzdem …“
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Wie auch auf dem Hurricane sitze ich am Donnerstag und Freitag im Bändchenzelt. Alles wie gehabt, nur sprechen die meisten Menschen hier kein Hochdeutsch, sondern tiefstes Bayrisch oder Österreichisch und ich verstehe nur selten mehr als ein, zwei Wörter. Irgendwann gebe ich das Nachfragen auf und antworte nur noch mit „na klar“ und „nee“. Das klappt ganz gut. Bestimmt zwei Dutzend der Leute, die ich abfertige bediene haben ihre Karte zu Hause vergessen (man kommt natürlich von ganz weit her, Anreise bestimmt zwei, drei Tage, ist gerade mit der Bahn ankommen und dann liegt die Karte daheim; einige erklären das im feinsten Bayrisch (dachte immer, Bayern sei doch etwas kleiner)) oder verloren („Eben hatte ich sie noch! Wirklich!“), am Freitag kommen noch die verlorenen Bändchen dazu, die meisten beginnen zu diskutieren („Kannst du für mich nicht mal eine Ausnahme machen?“) und winken genervt ab, wenn man den Kopf schüttelt. Ich habe Spaß. Ein Pärchen beginnt etwas abseits eine Diskussion, nach einer Minute ufert es in Schuldzuweisungen aus, das Mädchen wird lauter, wirft ihrem Freund völlige Inkompetenz vor – er sei ein hoffnungsloser Versager. Die völlige Impotenz. Ich wäre genau jetzt gerne Psychologiestudent.
Donnerstag und Freitag arbeite ich leider nicht lange, ein paar Stunden nur, den Rest des Festivals habe ich frei. Drei Tage lang Reggaemusik zu sehen habe ich nicht vor (bin ja wegen des Cashs da!), darum verbringe ich die meiste Zeit mit schlafen. Am Samstag gehe ich in das Dorf Übersee, setze mich unter einen Mirabellebaum und lese, am Abend setze ich mich in einen (alternativen) Biergarten, deren Gesetzmäßigkeiten ich nicht verstehe (es wird auch gegrillt, aber wohl privat?!), also schreibe ein wenig und trinke Bier.
Ich schaue mir nur Jan Delay, Dennis Lisk (Denyo von den Beginnern) und Peter Fox an. Jan Delay ist, wie erwartet, für mich das Highlight, er spielt Songs vom neuen Album, die allesamt gut sind, wenige Lieder vom ersten Album, dafür mehr vom erfolgreich(er)en Mercedes Dance (auch eine ausufernde – nun ja – Rave-Version des Songs Raveheart) und Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Die Stimmung ist großartig, Musik ebenfalls, Jan Delay ist gut drauf und macht mit seinen Sprüchen auch vor der Gürtellinie nicht halt. Das ist top.
Während die Musik Delays funky ist, geht’s beim Kollegen Dennis Lisk um einiges gechillter zu. Seine Musik klingt ein wenig nach Clueso, Menschen, die Musik in Jahreszeiten einteilen, würden das ganz klar Sommermusik nennen, manchmal ein wenig melancholisch, aber nie zu sehr, immer locker und leicht, der perfekte Soundtrack für den Sommer und man bekommt große Lust, mit dem Auto ziellos durch die Gegend zu fahren. Schade ist allerdings, dass Lisk mit seiner Band nur im Zelt spielt und nicht auf der großen Bühne, dann hätten sich vielleicht mehr zu ihm verirrt.
Am Sonntagmorgen werde ich doch noch zum Arbeiten eingeteilt, Müllanimation. Bei dieser Hitze ist das eine äußerst undankbare Aufgabe, aber es gibt immerhin Geld. Wir laufen in Zweier-Teams über die Campingplätze und verteilen an die – überraschend – vielen Camper, die sich nicht für die Reggaemusik erwärmen können, Müllbeutel, wenn sie denn welche brauchen (das entscheiden meist wir). Ich verliere natürlich sehr bald den anderen Teil vom Team und latsche alleine über den Platz, ab und an werden mir Getränke und ein Sitzplatz angeboten, und ich nutze die Gelegenheit, mich der prallen Sonne zu entziehen und mich unter einen Sonnenschirm oder Pavillon zu setzen. Irgendwann finde ich meinen Mitteamer wieder und wir verteilen die letzten Müllbeutel und lassen uns noch ein Getränk ausgeben.
Peter Fox beendet das Festival dann mit seinen Auftritt. Bisher war mir seine Musik eigentlich egal gewesen, sein Album klang mir dann doch etwas zu langweilig und eintönig, aber live sieht das anders aus, ich werfe einfach mal die Musikmagazinfloskel „fassettenreicherer Sound“ in den Raum. Seine gefühlten hundert Trommler, die er neben seinem Schlagzeuger noch auf der Bühne hat, machen das Ganze interessant, nicht zu letzt wegen deren perfekten Trommelbewegungschoreographie und ihren radioaktivgrünen Sticks. Außerdem covert Peter Fox „Come With Me, das is’ von Puff Daddy geschrieben“, wie ich dank einem Halbwüchsigen, der seine Freundin aufklärt, erfahre, nur mit deutschen Text. Komisch, ich dachte bisher, Come With Me sei eine Coverversion des Led Zep-Songs Kashmir. Damit er es sich nicht bei seiner Freundin verscherzt, halte ich den Mund.
Ach, geht das hier auch mal weiter? Und warum passiert nie irgendwas von dem, was unten in kursiver Schrift steht? Soll das etwa lustig sein?
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Dazu fiele mir so einiges ein, aber ich lasse es einfach mal unkommentiert.
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Weil Süßigkeiten abgreifen oder Fenster mit Eiern bewerfen auf Dauer doch ein wenig langweilig ist, und man noch nicht alt genug für eine eigene Handfeuerwaffe ist und Papa den Waffenschrank seit kurzem so aufmerksam bewacht wie Mama den Alkohol (oder Opa seine Wehrmachts-Uniform), habe ich mir überlegt, wie man das Ganze ein wenig aufpeppen kann. Statt nun Süßes von mir zu bekommen oder mir Saures zu geben, drehen wir den Spieß einfach mal um: Jeder, der heute (und vielleicht auch noch morgen) bei mir klingelt, gibt mir Süßes (z.B. den Inhalt eures Portemonnaies (keine Beträge <50€)) oder ihr bekommt von mir Saures, nämlich eine Führung durch meine extra für Halloween eingerichtete Folterkammer (rostige Sägeblätter, der "endlose Mixer") inklusive Rätselspaß (zehn Fragen, für jede richtige Antwort dürft ihr einen Finger behalten).
Ich wünsche euch ein schönes und vor allem langes Halloween und freue mich schon auf euren Besuch!
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Nachdem mein Laptop unplanmäßigerweise letzte Woche mehr den Geist aufgab als funktionierte und ich unwahrscheinlich lange sieben Tage ohne Internet und andere Annehmlichkeiten des elektrischen Zauberkastens dastand, geht es hier – diesmal ganz bestimmt! – wirklich, wirklich weiter. Das Problem ist mittlerweile behoben, im Laptop war wohl der – haha, Kalauer! – Wurm drin, jetzt ist er weg, alle wichtigen Daten aber noch da, Vista auf XP downgegradet und ich komme mir wieder wie ein ganzer Mensch vor (auch wenn ich immer noch nicht weiß, wie das Spiel Deutschland-Finnland (eher mittelinteressant) ausgegangen ist oder wie die Koalitionsverhandlungen im Saarland aussehen (Lafontaine Ministerpräsident?) – wird gerade alles nachgeholt), gerade rechtzeitig zum gestrigen Unistart.
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