unterwegs/13days I

Das M’era Luna Festival ist kurz. Bis auf Freitag, an dem ich mir als Parkeinweiser mein Geld verdiene, habe ich frei, von den Bands schaue ich mir am Ende doch nur Apocalyptica und The Prodigy an, zu mehr komme ich am Wochenende nicht. Beide sind die zehnminütige Anfahrt mit dem Fahrrad auf jeden Fall wert. Erstere erfüllen meine Erwartungen, Metal mit Celli und längst auch mit Schlagzeug, einige Metallica-Songs und auch eigene, die mir Wochenend-Metalhead unbekannt sind. Am meisten gehen die Leute bei Songs wie Enter Sandman und One ab, und ich frage mich, ob das nicht deprimierend ist, wenn die Fans Coversongs frenetischer feiern als die eigenen.
The Prodigy spielen am Sonntagabend ihre eigenen Songs, schließlich haben sie von denen mehr als genug. Alte und neue Hits, von denen ich viel zu wenig kenne (und ständen The Prodigy nicht längst auf meiner „Unbedingt intensiver damit beschäftigen“-Liste, hätte ich sie heute draufschreiben müssen), aber hier bin ich eindeutig in der Minderzahl. In schwarz gekleidete und mit unzähligen Leuchtstäben behangende Menschen verrenken sich wie im Zirkus und werden zu seelenlosen Ravemaschinen und tanzentanzentanzen. Der Refrain von Out Of Space klingt ein wenig wie Lemon Tree von Fool’s Garden, finde ich, aber damit stehe ich ziemlich alleine da. Auch beim Frequency-Auftritt von The Prodigy fange ich mir dafür nur allzu mitleidige Blicke ein.
Nicht mal zwei Tage später sitze ich nach drei Stunden Schlaf um acht Uhr morgens in einem Reisebus, kämpfe gegen den Sekundenschlaf an und hoffe dabei, dass es dem Busfahrer nicht genauso geht, während wir in das sagenumwobene Bayern fahren. Nachdem wir die bayrische Grenze überquert haben und endlich etwas wacher werde, frage ich mich wieder, wie es sein kann, dass so ein schönes Bundesland wie Bayern von so unzähligen, völlig rechtskonservativen und christlichen Fanatikern bevölkert sein muss, die Wahlperiode für Wahlperiode diesen bigotten Heuchlerverein mit christlichen Anstrich wählen (auch später, nachdem ich einige kennen gelernt habe, fühle ich mich nicht schlauer).
Im Chiemgau angekommen, fängt es an, aus allen Wolken zu schütten, als habe der liebe Gott auch die Hoffnung aufgegeben und eingesehen, dass es zumindest hier keinen Sinn mehr hat. Dann hört es aber doch wieder auf und wir bauen unsere Zelte auf. Da das Crew-Catering noch nicht aufgebaut ist, essen wir beim Artist-Catering, das uns mit Salaten, Obst, Gemüse und anderen Leckereien jeglicher Art verwöhnt, die wir nur noch einmal beim Chiemsee Reggae Festival genießen dürfen: Am Tag unserer Abreise, als das Crew-Catering die Zelte schon abgebaut hat. Die Essensauswahl für die Crew fällt um einiges spärlicher aus, dennoch, irgendwann kommt man auf die Idee, abends Obst für uns bereit zu stellen.
Nach dem Essen will ich nur noch eins, ab in meinen Schlafsack und pennen.

Und so geht es weiter: Eine Hand wäscht die andere, bei Tageslicht sind alle Katzen bunt und nackte Tatsachen heißen nicht nur so – jetzt geht es endlich los.

Advertisements
Kategorien: My reflection, dirty mirror | Hinterlasse einen Kommentar

Beitragsnavigation

Bitte kommentieren Sie!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: