unterwegs/13days III

Wie auch auf dem Hurricane sitze ich am Donnerstag und Freitag im Bändchenzelt. Alles wie gehabt, nur sprechen die meisten Menschen hier kein Hochdeutsch, sondern tiefstes Bayrisch oder Österreichisch und ich verstehe nur selten mehr als ein, zwei Wörter. Irgendwann gebe ich das Nachfragen auf und antworte nur noch mit „na klar“ und „nee“. Das klappt ganz gut. Bestimmt zwei Dutzend der Leute, die ich abfertige bediene haben ihre Karte zu Hause vergessen (man kommt natürlich von ganz weit her, Anreise bestimmt zwei, drei Tage, ist gerade mit der Bahn ankommen und dann liegt die Karte daheim; einige erklären das im feinsten Bayrisch (dachte immer, Bayern sei doch etwas kleiner)) oder verloren („Eben hatte ich sie noch! Wirklich!“), am Freitag kommen noch die verlorenen Bändchen dazu, die meisten beginnen zu diskutieren („Kannst du für mich nicht mal eine Ausnahme machen?“) und winken genervt ab, wenn man den Kopf schüttelt. Ich habe Spaß. Ein Pärchen beginnt etwas abseits eine Diskussion, nach einer Minute ufert es in Schuldzuweisungen aus, das Mädchen wird lauter, wirft ihrem Freund völlige Inkompetenz vor – er sei ein hoffnungsloser Versager. Die völlige Impotenz. Ich wäre genau jetzt gerne Psychologiestudent.
Donnerstag und Freitag arbeite ich leider nicht lange, ein paar Stunden nur, den Rest des Festivals habe ich frei. Drei Tage lang Reggaemusik zu sehen habe ich nicht vor (bin ja wegen des Cashs da!), darum verbringe ich die meiste Zeit mit schlafen. Am Samstag gehe ich in das Dorf Übersee, setze mich unter einen Mirabellebaum und lese, am Abend setze ich mich in einen (alternativen) Biergarten, deren Gesetzmäßigkeiten ich nicht verstehe (es wird auch gegrillt, aber wohl privat?!), also schreibe ein wenig und trinke Bier.
Ich schaue mir nur Jan Delay, Dennis Lisk (Denyo von den Beginnern) und Peter Fox an. Jan Delay ist, wie erwartet, für mich das Highlight, er spielt Songs vom neuen Album, die allesamt gut sind, wenige Lieder vom ersten Album, dafür mehr vom erfolgreich(er)en Mercedes Dance (auch eine ausufernde – nun ja – Rave-Version des Songs Raveheart) und Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Die Stimmung ist großartig, Musik ebenfalls, Jan Delay ist gut drauf und macht mit seinen Sprüchen auch vor der Gürtellinie nicht halt. Das ist top.
Während die Musik Delays funky ist, geht’s beim Kollegen Dennis Lisk um einiges gechillter zu. Seine Musik klingt ein wenig nach Clueso, Menschen, die Musik in Jahreszeiten einteilen, würden das ganz klar Sommermusik nennen, manchmal ein wenig melancholisch, aber nie zu sehr, immer locker und leicht, der perfekte Soundtrack für den Sommer und man bekommt große Lust, mit dem Auto ziellos durch die Gegend zu fahren. Schade ist allerdings, dass Lisk mit seiner Band nur im Zelt spielt und nicht auf der großen Bühne, dann hätten sich vielleicht mehr zu ihm verirrt.
Am Sonntagmorgen werde ich doch noch zum Arbeiten eingeteilt, Müllanimation. Bei dieser Hitze ist das eine äußerst undankbare Aufgabe, aber es gibt immerhin Geld. Wir laufen in Zweier-Teams über die Campingplätze und verteilen an die – überraschend – vielen Camper, die sich nicht für die Reggaemusik erwärmen können, Müllbeutel, wenn sie denn welche brauchen (das entscheiden meist wir). Ich verliere natürlich sehr bald den anderen Teil vom Team und latsche alleine über den Platz, ab und an werden mir Getränke und ein Sitzplatz angeboten, und ich nutze die Gelegenheit, mich der prallen Sonne zu entziehen und mich unter einen Sonnenschirm oder Pavillon zu setzen. Irgendwann finde ich meinen Mitteamer wieder und wir verteilen die letzten Müllbeutel und lassen uns noch ein Getränk ausgeben.
Peter Fox beendet das Festival dann mit seinen Auftritt. Bisher war mir seine Musik eigentlich egal gewesen, sein Album klang mir dann doch etwas zu langweilig und eintönig, aber live sieht das anders aus, ich werfe einfach mal die Musikmagazinfloskel „fassettenreicherer Sound“ in den Raum. Seine gefühlten hundert Trommler, die er neben seinem Schlagzeuger noch auf der Bühne hat, machen das Ganze interessant, nicht zu letzt wegen deren perfekten Trommelbewegungschoreographie und ihren radioaktivgrünen Sticks. Außerdem covert Peter Fox „Come With Me, das is’ von Puff Daddy geschrieben“, wie ich dank einem Halbwüchsigen, der seine Freundin aufklärt, erfahre, nur mit deutschen Text. Komisch, ich dachte bisher, Come With Me sei eine Coverversion des Led Zep-Songs Kashmir. Damit er es sich nicht bei seiner Freundin verscherzt, halte ich den Mund.

Ach, geht das hier auch mal weiter? Und warum passiert nie irgendwas von dem, was unten in kursiver Schrift steht? Soll das etwa lustig sein?

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Kategorien: My reflection, dirty mirror | Hinterlasse einen Kommentar

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