WM – Weltweite Mittelmäßigkeit, oder wat?

Hurra, hurra, endlich wieder WM. Fußball auf dem höchsten Niveau, viele Tore, virtuose Kombinationen, Highlights im Sekundentakt, die Sehnerven werden von spannenden Spielen verwöhnt und mit extrasüßem Zuckerguss überzogen. Es gibt fast mehr Topfavoriten als teilnehmende Teams und einer spielt schöneren und perfekteren Fußball als die anderen. Und trotz des Ausfalls von so manchem Star, gibt es von ihnen immer noch mehr als genug. Robben und Drogba haben es sogar noch mit auf den feuchtfröhlichen Fußballkahn geschafft. Hipp, hipp, hurra! Ein wahres Fest also für jeden Fußballbegeisterten. Dass die hinterlistige Realität dann so sehr konträr zu den von Glückstränen benetzten Träumen des erwartungsvollen Fußballfans laufen würde, konnte jedoch keiner ahnen. Wie eine tödliche Waffe sollte der Ball ins – oder besser noch: durchs – Netz geschossen werden, statt wie ein zusammengerolltes Gürteltier hilflos bis zur Dehydrierung auf dem Rasen hin und her gestoßen zu werden.

Die Weltmeisterschaft ist schockierend langweilig. Hochgelobte Mannschaften wie Brasilien, die Niederlande oder Argentinien enttäuschen weitestgehend mit ihrer ungewohnt uninspirierten Interpretation Fußball zu spielen und lassen viel zu selten ihre spielerischen Fähigkeiten aufblitzen. Immerhin, ein paar Mal zeigen sie, weshalb sie zu den besten Mannschaften der Welt gezählt werden. Desaströs auch die Vorstellungen der beiden Finalisten von 2006: Bei den Franzosen scheint die Luft schon länger raus zu sein, Ribéry und ein spät eingewechselter Henry reichen am Ende nicht, noch irgendetwas an einem müden 0:0 gegen Uruguay zu ändern, Italien zeigt eine so ideenlose Leistung, dass man ihnen vor lauter Mitleid sogar fast das unverdiente Unentschieden gegen starke Paraguayer gönnen möchte. Ein lächerlicher Torwartfehler, der selbst auf Schulhöfen eher selten passiert, lässt auch England am Ende nur mit einem Punkt dastehen. Aber die Engländer sind nicht die einzigen, die immer wieder kehrenden Torwartfehler stellen so circa die einzige Kontinuität da, wenn man sich schon auf sonst nichts mehr verlassen kann. Herausragende Spiele sind Mangelware, die Spiele Elfenbeinküste – Portugal und Algerien – Slowenien kann man sich im Grunde gar nicht ansehen, aber ein innerer Masochismus treibt einen dann doch dazu, immer und immer weiterzuschauen. Ähnlich elend treten Serbien und Griechenland auf und starten beide folgerichtig mit einer Niederlage.

Dass die WM bisher kein völliger Reinfall ist, liegt vor allem an den kleinen Highlights, dem Spiel Honduras – Chile etwa, das mehr als ansehnlich war, obwohl man davon sicherlich nicht ausgehen konnte. Oder die Nordkoreaner, die den Brasilianern frech die Stirn boten und ihnen zumindest in der ersten Halbzeit ein 0:0 abtrotzten, bevor sie dann doch noch zwei Gegentore kassierten. Kurz vor Ende gelang ihnen dann noch der verdiente Anschlusstreffer, so dass das im Vorfeld als Kanonenfutter abgeschriebene Team zu Recht Stolz auf seine kämpferische Leistung sein kann. Und obwohl die Spanier mit 0:1 der Schweiz unterlagen, zeigten sie zumindest ein Spiel, das sich sehen lassen konnte, wenn man schon nicht mit einem Sieg seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Die beste Mannschaft bisher war jedoch die deutsche. Von Rumpelfußball keine Spur, wundervolle Kombinationen aus dem Mittelfeld heraus von Özil und Müller, und wider Erwarten trafen sogar die Problemkinder Podolski und Klose, alle spielten sie super, Friede, Freude Eierkuchen also. Ein Einstand nach Maß, der Deutschland in der internationalen Medienlandschaft zum Favoriten Nummer Eins gemacht hat – nicht völlig zu unrecht. Interessant wird es sein, wie man sich in den Playoffs gegen die großen Mannschaften wie Brasilien, die Niederlande oder Spanien schlägt, wenn diese zu ihrer normalen Form gefunden haben. Aber vorher stehen noch der 2. und 3. Spieltag vor der Tür, die, so ist zu hoffen, endlich etwas mehr WM-Feeling versprühen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer ganz zuletzt.

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