Silberfische in meinem Bett

Für mein altes Blog hatte ich schon einmal einen Text über Ungeziefer und Insekten geschrieben, die nachts in Scharen an meinen Fenstern saßen, Insekten, von deren Existenz ich nie etwas geahnt hatte. Angezogen vom Licht begafften sie mich und mein Treiben argwöhnisch und, vielleicht, auch etwas hämisch. Dass ich sie nicht reinließ, interessierte sie nicht im geringsten, vielmehr warteten sie nur darauf, dass ich mal wieder ein Fenster aufließ, um sich dann über meinem Deckenfluter zu sammeln und in ihm regelmäßig den Tod zu suchen. Der Kauf von Fliegengitter schaffte vorwiegend Abhilfe, auch wenn sich die Insekten nun einfach am Netz zusammenscharrten. Irgendeins von ihnen kam doch immer rein.
Nun sind Insekten in der Wohnung noch nichts Schlimmes, sofern sie nicht in unkontrollierbaren Massen aufkreuzen und sich penetrant weigern, wieder zu gehen. Die meisten sterben sowieso bald und manche kleine, übermütige Fliege fand schnell in der Venusfliegenfalle ihren Tod. Trotz Fliegengitter und fleischfressender Pflanze nistet sich aber auch mal Ungeziefer ein. Während Weberknecht und Schuster leicht hinauszukomplimentieren sind oder sich freiwillig in dunkle Kellerkatakomben zurückziehen, sieht es mit einigen aufdringlichen Eindringlingen ganz anders aus. Wer etwa schon mal Mehlmotten „zu Gast“ hatte, weiß, wie schwer diese wieder aus den Nahrungsmitteln herauszukriegen sind. Sie stehen knapp hinter den (Küchen-)Schaben, die sich mit ekelerregender Impertinenz in den Ritzen der Wohnung verbarrikadieren und gar nicht daran denken, freiwillig das Feld zu räumen. Zu allem Überfluss ist die Schabe so etwas wie der Ziehsohn der Evolution und mit einer derartigen Widerstandsfähigkeit gesegnet, dass sie schier an Unsterblichkeit grenzt. Wer das Pech hat, sie zur Untermietern zu haben, hat eigentlich nur eine Wahl: umziehen. Selbst das Haus abfackeln hilft bei diesen widerspenstigen Biestern nicht.
Aber zurück zu den Mehlmotten. Ob Reis, Haferflocken oder eben Mehl, in parasitärer Dreistigkeit leben sie in allem, was im Schrank steht und selbst verschlossenes Essen ist vor ihnen nicht sicher; durch Pappe fressen sie sich durch und auch Schraubverschlüsse stellen lediglich ein kurzweiliges Hindernis dar. Befallenes Essen kann man nur noch wegschmeißen. Zwar lebt eine Motte nicht lang, dafür hinterlässt sie neben kleinen, spinnwebenartigen Fäden auch noch ein Batzen Eier, aus denen weiße Maden schlüpfen, die voller Schmierigkeit an Wänden und Schränken entlang schleimen, nur darauf wartend, sich endlich verpuppen zu können, um wiederum selbst einen Batzen Eier zu hinterlassen. Die Mehlmotte ist ein niederträchtiges und gewissenloses Wesen, dem entschlossen entgegengetreten werden muss, da es sonst gnadenlos sein Terrorregime errichtet.
Irgendwo zwischen ruhige Mitbewohner und Ungeziefer bewegen sich hingegen Silberfischchen, die, rennt mal eins durchs Badezimmer, ignoriert werden können, spätestens, wenn man nach einer durchzechten Nacht in seinem Bett von einem zwei Meter großen Silberfisch wach geküsst wird, läuft so manches schief und werden die kleinen Chitinpanzermonster zu einem Problem. Ein weiterer Quälgeist ist in den letzten Jahren der Marienkäfer geworden. Zu Millionen fliegen die Punktierten durchs Land und betreiben einen riesigen Aufwand, um einen zu belästigen. Bevorzugt abends und vor dem Schlafengehen, wenn ich ein Buch lese, kriecht aus irgendeiner Ecke meines Zimmers einer dieser hinterhältigen Käfer und fliegt einen Kamikazeangriff gegen nichts und niemanden. Wenn er mit seinen Deckflügeln gegen Wand und Decke fliegt, verursacht er solch einen Heidenlärm, den er penetrant aufrecht zu erhalten weiß (um einiges lauter ist dabei der Bockkäfer, der jedoch den Anstand hat, sich nur selten und unabsichtlich in ein Zimmer zu verirren). Noch im Winter findet ich beim Putzen genug Käferleichen, die locker die Zweistelligkeit erreichen. Was das Ganze so perfide macht: Wir können diesem kleinen Wicht nicht richtig böse sein, ist er doch so putzig und überdies sind mit ihm unzählige Kindheitserinnerungen verbunden, ja, ist er doch sogar so etwas wie eine Metapher ebendieser Kindheit! Verdammte Sentimentalität.

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Kategorien: My reflection, dirty mirror | Hinterlasse einen Kommentar

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