Momentaufnahme

Fähigkeiten, für die mich andere bewundern (1)

Auch uneingetüteten Reis kochen zu können.

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Rock’n’roll lifestyle

Es ist kurz vor fünf am frühen Samstagmorgen und der Boden der U-Bahn ist mit einer Mischung aus Pisse, verschüttetem Alkohol und Tränen überzogen. Meine Schuhe lassen Fußabdrücke zurück. Es riecht nach Erbrochenem und durchzechter Nacht. Der Mann schräg links vor mir sitzt mit dem Kopf zwischen seine Beine gebeugt da und murmelt leise ein unverständliches Gebet vor sich hin, immer und immer wieder. Seine Lederjacke ist dreckig, die wenigen Haare, die er noch auf dem Kopf hat, kleben an seiner glänzenden Haut. Draußen ziehen die Lichter vorbei, drinnen beginnen sie leicht zu flimmern, die Party geht weiter. Ein Mädchen steigt ein, sie schaut aus, als hätte sie seit zwei Wochen nicht mehr geschlafen, ihre rechte Wange glüht wie nach einem Schlag. Sie zieht ihr Handy und singt monoton eine Melodie in den Hörer. Eine leere Wodkaflasche rollt durch den Gang, bis sie ein alter Mann mit rotem Gesicht und noch roterer Nase aufhebt und sie prüfend in seiner Hand hin und her bewegt, aber sie bleibt leer und er schmeißt sie weg. Ich schaue wieder zum Mädchen. Ihr Haar sieht wie gewaschen aus, aber ihrer Kleider kleben ihr an ihrem verschwitzten Körper. Und diese Augen. Zwei kleine, leere Punkte inmitten aufgequollener riesenhafter, roter Ränder. Tanz der Nachtschwärmer. Bierflaschen klirren, als die Türen sich wieder öffnen. Ich kriege wieder dieses flaue Gefühl im Magen, wie vor einer Stunde, ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen. Lautes Gelächter und der leichte Geruch nach Zigarettenrauch, dann: Gras. Als ich aussteige, friere ich für Sekunden ein, bevor ich mich auf die Kälte einstellen kann. Im Bus werde ich plötzlich müde, lehne mich zurück und schließe die Augen. Kurz bevor ich einschlafe, steigt der Busfahrer in die Eisen, bang, mein Kopf schnellt nach vorne und knallt gegen den Sitz. Ich bin wieder wach und genieße die letzten Sekunden. Nicht mal mehr 48 Stunden und ich werde das alles vermissen.

Kategorien: Momentaufnahme, My reflection, dirty mirror | Ein Kommentar

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